Virales Anti-Marketing
Wie gutes und erfolgreiches Viral Marketing aussehen kann, demonstriert Will it blend? zur Zeit mit dem gemixten iPhone. Das krasse Gegenteil praktiziert dagegen der Spielehersteller Games Workshop mit dem Verbot eines von Fans produzierten Filmes, der in der Welt des Tabletop-Spieles Warhammer angesiedelt ist.
Wenn man sich überlegt, was solche Projekte in Zeiten von YouTube und Blogging für eine Popularität erreichen können und damit ja auch Werbung für das Spiel selbst machen, kann man GW nur als schlecht beraten bezeichnen, um es vorsichtig auszudrücken. Oder einfach als dumm.
Shoppero
Es geistert ein neues Kind durch die Blogs, ein klassisches Exemplar einer sogenannten Web 2.0-Anwendung. Und man soll auch noch Geld damit verdienen können. Klingt ja alles hochspannend, was Shoppero da so vorhat.
Nachdem das Projekt diese Woche auf der next07 vorgestellt wurde, war die Resonanz, sagen wir mal, nicht einhellige Begeisterung (hier oder hier zum Beispiel). Nun äußert sich Nico Lumma auf dem Shoppero-Blog zu einigen der Kritikpunkte, und Robert Basic bewertet das ganze noch einmal neu. Einen anderen Aspekt, nämlich den der Haftung für den benutzer-generierten Inhalt auf Shoppero, hinterfragt XSblog2.0. Auch fixmbr steht dem ganzen sehr kritisch gegenüber.
Bevor man also auf den next best Hype aufspringt, sollte man vielleicht etwas genauer hingucken, was dort so passiert.
Kommerzielles Bloggen
Auf SpOn schreibt Holger Dambeck einen Artikel über kommerzielle Blogger in Deutschland und dem Rest der Welt. Die Überschrift “Wenn Blogger Kasse machen” ist dabei vielleicht ein wenig zu sehr darauf aus, Leser zu gewinnen, aber naja. Als deutsche Vorzeigeblogs im Kommerzbereich werden Spreeblick und Mac Essentials angeführt und deren bisherige Erfahrungen und Zukunftsplanungen dargestellt.
Alles in allem ein lesbarer, aber sehr oberflächlicher Artikel, der höchstens für Neulinge und Nicht-Blogger die eine oder andere neue Information enthält. Keine in die Tiefe gehenden Recherchen, keine kritische Analyse, keine Referenz auf Kommerzkritiker. Soll das nicht gerade angeblich Journalisten von Bloggern unterscheiden?
[ via Spreeblick ]
Waldi, Harry, was?
Da hatte die ARD eine ganz tolle Idee. “Stecken wir doch unseren Super-Waldi mit unserem Super-Harry zusammen, die machen dann ne lustige Sendung aus Turin, Olympia Late-Night sozusagen.” Nur leider konnte das irgendwie nicht funktionieren, wie gestern abend unschwer zu sehen war, da geb ich franzi absolut recht.
Herr Hartmann (Waldi) ist nicht witzig, war es nie, wird es nie sein. Und Herr Schmidt (Harry) ist immer noch am besten alleine, mit gutem Sidekick oder mit ihm gewachsenen Gästen. Aber nicht, wenn er selbst der Sidekick ist und sich die Gäste nicht aussuchen kann (es müssen ja die Olympioniken sein). Die unangenehme Art des Hackl-Schorch würde er normalerweise vorführen, hier darf er es nicht. Da stiehlt ihm sogar der gar nicht so unwitzige Michael Uhrmann teilweise die Show.
Es bleiben ja noch zwei Wochen Zeit, was draus zu machen, aber so ganz glauben kann ich es nicht.
Willkommen im Gestern
Ja, darauf haben wir doch alle gewartet. Nun hat es ein Beitrag aus dem Online-Magazin webwatching bis zu SpOn geschafft. Darin wird Thomas Leif, Vorsitzender der Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche und Chefreporter TV beim Südwestfunk in Mainz, zum Thema Blogs und Journalismus befragt. Wie nicht anders zu erwarten, hält er sehr wenig von der Blogosphäre und hält stattdessen das Banner des Journalistentums hoch.
Frage: Herr Leif, als Blogger kann endlich jeder selbst Journalist sein und publizieren, was er für wichtig hält. Sind die Blogger nicht eigentlich echte Graswurzel-Journalisten, die mit dem Standesdünkel der Medienzunft aufräumen?Thomas Leif: Nicht jeder Blogger ist Journalist. Den meisten Bloggern fehlt jegliches journalistisches Handwerkszeug. Professionelle Journalisten selektieren verschiedene Quellen und analysieren diese anhand von Fachwissen. Sie versuchen, sich bei der Recherche ein möglichst objektives Bild eines Sachverhalts zu schaffen, das unbeeinflusst ist von ihren eigenen sozialen Kontexten und Ansichten. Alle beteiligten Parteien anzuhören, ist unter anderem ein entscheidendes Charakteristikum von professionellem Journalismus. Daran muss man Weblogs messen. Sie sind eben in erster Linie private Online-Tagebücher.
Natürlich ist nicht jeder Blogger Journalist, das wollen viele auch gar nicht sein. Zumindest nicht im althergebrachten Verständnis des Journalismus. Doch vielleicht sollten diejenigen, die in ihrem hohen Elfenbeinturm sitzen, sich langsam damit vertraut machen, daß dieser beginnt von unten zu zerbröckeln. Journalismus in der alten Form hat wunderbar funktioniert, als Medien (und Meinungen) nur konsumiert werden konnten, doch mit den neuen Möglichkeiten von Interaktivität, wie sie zum Beispiel durch das Internet gegeben sind, ist das ganze Gefüge ins Wanken geraten. Und Herr Leif scheint noch nie Boulevardzeitungen oder -sendungen gelesen bzw. gesehen zu haben, denn denen gehen viele der von ihm aufgeführten Eigenschaften eines Journalisten eindeutig ab.
Leif: [...] Die meisten Blogger sind von ihrer Selbstdefinition her viel subjektiver als jeder seriöse Journalist. Während ernsthafte Journalisten zumindest versuchen, objektivierbare Kriterien einzuführen, sind viele Blogs von einer Hypersubjektivität getrieben. Der Blogger stellt seine eigene Person in den Vordergrund. Es handelt sich oft um selbstverliebte Egozentriker, die ihren Mitteilungsdrang befriedigen wollen. Das ist legitim, aber keine journalistische Haltung.
Blogs sind in den meisten Fällen keine Nachrichtendienste im klassischen Sinne, und würden das wohl so auch nie von sich behaupten. Blogs sind meist subjektiv, sie sollen Meinungen wiedergeben, zu Diskussionen anregen. Was hier in der Kritik an Blogs häufig vergessen wird: ein Blog machen m.E. nicht nur die Beiträge des/der Autors/Autoren aus, sondern vielmehr die daraus entstehenden Diskussionen mit den Lesern, die ein vielfältigeres Meinungsbild widerspiegeln als es ein klassisches Medium wie Zeitung oder Fernsehen je könnte. Insofern ist das von Leif als positives Beispiel genannte BILDblog eigentlich genau das falsche Beispiel, da genau diese Diskussionen dort nicht möglich sind. Und daß selbstverliebte Egozentriker nur in der Blogosphäre vorkommen, halte ich für ein Gerücht, davon gibt es auch unter der Journalistenschaft eindeutig genug.
Frage: Halten Sie das Internet generell als Rechercheinstrument für geeignet, wenn eine direkte Prüfung unumgänglich ist?Leif: Bei der Beantwortung dieser Frage muss man deutlich differenzieren: Sicherlich sind Suchmaschinen ein sinnvolles und praktisches Instrument, aber man darf nicht einzig und allein ihnen Vertrauen schenken. Kein Nutzer weiß beispielsweise genau, nach welcher Systematik Google seine Ergebnisse akzentuiert und ordnet. Hier fehlt es eindeutig an Transparenz und durch diese fehlende Transparenz ist Google hochgradig anfällig für Manipulation und Instrumentalisierung.
Welche Transparenz habe ich denn, wenn ich einen Zeitungsartikel lese oder einen Beitrag im Fernsehen sehe? Woher weiß ich, welchen Quellen der Autor vertraut hat, welche er weggelassen hat? Ist nicht gerade das ein Vorwurf, der auch den klassischen Medien immer wieder gemacht wird? Aktuelles Beispiel dazu ist der mißglückte Merger von Axel Springer mit P7S1. Die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich sah erhebliche Gefahren für die Sicherung der Meinungsvielfalt gegeben, wenn der Kauf zustande gekommen wäre. Natürlich vertreten auch klassische Medien Meinungen, vielleicht manchmal weniger auffällig und indirekter als Blogs, aber gerade das macht es doch erst recht gefährlich.
Was mich an der negativen Argumentation der Journalisten in Bezug auf Blogs so stört, ist vor allem die Pauschalisierung beider Seiten: Journalisten sind gut, Blogs sind schlecht. Das ist aber genauso falsch wie das Gegenteil, natürlich sind auch nicht alle Blogger gut und alle Journalisten böse. Es gibt genauso schlechte Blogger, wie es auch schlechte Journalisten gibt. Und auf beiden Seiten finden sich herausragende Vertreter, die das, was sie tun ernstnehmen und gewissenhaft vorgehen. Auch wenn Blogger dabei nicht die Neutralität für sich beanspruchen müssen, die vielfach von ihnen verlangt wird. Ich sehe sie eher als Kommentatoren, die meine Wahrnehmung von Nachrichten ergänzen und zum Nachdenken anregen.
Und ich frage mich immer wieder: ist dieses “Kleingerede” der Blogs von Seiten der Journalisten eher Angst oder Arroganz? Bisher konnte ich das für mich noch nicht beantworten.
Zehnmal Web 2.0
Ich muß ja sagen, ich mag diesen ganzen Hype um Web 2.0 nicht. Wo ein Hype entsteht, platzt meist auch irgendwann eine Blase. Aber das heißt ja nicht, daß unter diesem Label nicht trotzdem einige interessante, spannende Dinge passieren. Wenn man mal von den verwendeten Techniken absieht, was zeichnet denn dann Webanwendungen aus, die man gemeinhin in diese Kategorie einordnet?
Dion Hichcliffe hat dazu in einem lesenswerten Beitrag zehn Merkmale zusammengestellt, die erfüllt sein sollten, um ein Web 2.0-Projekt erfolgreich zu machen.
Hier ein paar Auszüge:
- Encourage Social Contributions With Individual Benefit. Benutzer sollten auch einen individuellen Vorteil daraus ziehen können, wenn sie etwas zur Gemeinschaft beitragen.
- Make Content Editable Whenever Possible. Alle gemeinsam wissen mehr als einer alleine. Wer selbst etwas beitragen kann, hat eine andere Beziehung zu den Inhalten der Seite und fühlt sich mehr damit verbunden.
- Provide Continuous, Interactive User Experiences. Interaktivität ist Trumpf, das seitenbasierte Web mit ständigen Reloads dagegen nicht mehr zeitgemäß. Dynamisches Nachladen, automatischer Update einzener Inhalte, Autocomplete in Eingabefeldern… Erfolgreiche Webanwendungen erinnern heute in ihrem Reaktionsverhalten mehr und mehr an Desktopanwendungen.
- Reuse Other Services Aggressively. Das Rad muß nicht immer neu erfunden werden, stattdessen sollten andere Dienste in das Projekt eingebunden werden. Ein prominentes Beispiel dazu sind die vielen Google Maps Mashups.
- Build Small Pieces, Loosely Joined. Entwickle kleine, in ihrer Funkionalität klar eingegrenzte Bausteine, die genau eine Aufgabe erfüllen. Wenn sie funktionieren, dann verwirkliche die nächste Idee, und stelle sie ebenfalls zur Verfügung. Die Anwendung sollte langsam wachsen, in ihren Bestandteilen so unabhängig voneinander wie nur möglich.
Auch in diesem Artikel klingt der Hype natürlich durch, aber das ändert nichts daran, daß die Punkte entweder als Analyse existierender Web 2.0-Sites hilfreich sind oder eben wirklich Anregungen für neue Projekte geben können.









